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  • 25.06.2025
  • 7 Min.
  • Veranstaltungen

Les Azimutés d'Uzès : sensible Blicke auf unsere Welt in Bewegung

Vom 24. bis 31. Mai 2025 verwandelte sich Uzès in ein Theater der Bilder und Erzählungen und war Gastgeberin der 10ᵉ Ausgabe der Biennale der Fotografie. Diese von der Vereinigung Les Azimutés organisierte Ausgabe markiert einen Wendepunkt: Sie findet nun alle zwei Jahre statt und etabliert sich als ein erwarteter Termin der Kulturszene des Südens. Weit entfernt von der Hektik der Aktualität lädt sie zu einem Schritt zur Seite ein, zu einer klaren und sensiblen Pause in unserer Beziehung zur Welt.

Das Thema „Zeuge seiner Zeit, Bewahrer der Erinnerung“ gab den Ton an. Ein dezenter, aber beharrlicher roter Faden zog sich durch die Ausstellungen: der der Spuren, des Erbes und dessen, was Bilder noch vermitteln können, wenn Worte nicht mehr ausreichen. In einer Zeit, in der das Augenblickliche vorherrscht, führen diese Fotografien eine Form von Entschleunigung, Ernsthaftigkeit und manchmal sogar Zärtlichkeit ein. Sie offenbaren das Intime, das Unsichtbare, das Marginale. Sie sprechen von Liebe, Wut, Verlust und Hoffnung.

von Solange Tabary
von Jonk
von Maxime Crozet
von Jean-Louis Mercier

Die ganze Stadt diente diesen Werken als Kulisse. Vom Innenhof des Rathauses über die versteckten Winkel des historischen Zentrums bis hin zum Weingut Domaine Deleuze-Rochetin in Arpaillargues schmiegten sich die Ausstellungen in das alte Gemäuer und öffneten sich wie die Kapitel eines großen visuellen Romans. Von einem Ort zum anderen zu schlendern glich dem Blättern in einem kollektiven Reisetagebuch, das von Blicken von nah und fern genährt wurde.

Unter den Werken, die diese Ausgabe prägten, berührt das von Eric Androa Mindre Kolo durch seine ruhige Kraft. Der kongolesische Künstler, tief betroffen von der Gewalt gegen Frauen in seinem Land, hat sich dafür entschieden, diese Empörung in eine poetische und eindringliche Körpersprache zu übersetzen. Sein Ansatz findet ein Echo in der Serie Cibles der Fotografin Paola Guigou, die behutsam und diskret die Situation der Frauen in der Demokratischen Republik Kongo dokumentiert. Gemeinsam erinnern sie uns daran, dass Kunst ein Schrei sein kann, aber auch eine Geste der Liebe und ein Akt stiller Wiedergutmachung.

Am anderen Ende des emotionalen Spektrums, aber nicht minder ergreifend, bietet die Arbeit des bretonischen Fotografen Jean-Louis Mercier einen leuchtenden Einblick in das Leben einer Jenischen-Gemeinschaft in seiner Region. Seine Serie Des amis manouches ist das Resultat einer Begegnung und einer tiefen Verbundenheit. Er fand dort eine Herkunftsfamilie im Herzen, eine intensive, oft ignorierte und bisweilen verachtete Menschlichkeit. Sein Blick auf diese vertrauten Gesichter ist von Respekt und Emotion erfüllt – eine Hommage an eine nomadisierende und verkannte Kultur, zugleich aber auch eine Liebeserklärung und ein Ausdruck tiefster Admiration.

Und dann ist da noch die fast schwebende Erzählung von Solange Tabary, Jour de marché avec les Ouïghours à Kashgar, ein seltenes Zeugnis einer verschwundenen Welt. Was zunächst nur das Reisetagebuch einer neugierigen Reisenden war, ist wider Willen zu einem kostbaren Archiv geworden. Ihre Aufnahmen erzählen vom Alltag eines heute bedrohten Volkes in einem China, in dem diese Lebensart nicht mehr existiert. Es sind Bilder voller Stille und Melancholie, als betrachte man eine Erinnerung, die einem nicht gehört, die man aber dennoch in Ehren halten möchte.

Es greift zu kurz, in dieser Biennale lediglich eine Abfolge von Ausstellungen zu sehen. Sie ist weit mehr: ein Ort des Dialogs, des Austauschs und der Wissensvermittlung. Jedes Bild wird zu einer Brücke zwischen zwei Blicken, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Emotion und Bewusstwerdung. Wie Dominique Nouzille, die Kommunikationsverantwortliche des Festivals, treffend betont, setzt diese Ausgabe auf die Kraft der Fotografie, die noch immer berühren, zum Nachdenken anregen und wachrütteln kann.

Indem sie sich Zeit nehmen – für Begegnungen, Reflexion und den zweijährigen Rhythmus –, spinnen Les Azimutés geduldig ein feines Geflecht in der lokalen Kulturlandschaft. Gewiss eine künstlerische Atempause, aber auch ein Vertrauensbeweis an das Publikum: der Glaube daran, dass wir durch bewusstem Hinsehen noch immer empfinden können.

Und vielleicht ist das die wahre Kraft dieser Biennale: uns daran zu erinnern, dass ein Bild manchmal mehr als tausend Worte sagt - weil es nicht nur sagt, sondern auch fühlen lässt. Es zeigt nicht, um zu überzeugen, sondern um zu verbinden. Es hält am Leben, was hätte verschwinden können. Und in der Stille eines Blicks, dem man in Uzès begegnet, zwischen den warmen Steinen eines Rathauses oder der Ruhe eines schattigen Hofs, ertappt man sich dabei, sich an das zu erinnern, was man nie erlebt hat.

von Jeanne Frank
von Anne-Françoise Tasnier
von William Dupuy
von Tristana Carrasco