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Jean Racine in Uzès : ein junger Pariser in okzitanischem Land

Heutzutage, in einer offenen und globalisierten Welt, einen deutschen, amerikanischen oder japanischen Besucher durch die Gassen von Uzès schlendern zu sehen, ist schon etwas Besonderes.Uzès niemanden mehr überraschen. Die Stadt empfängt Reisende aus aller Welt, die von ihren blonden Fassaden, ihren Märkten und ihrer Lebensart begeistert sind. Doch das war nicht immer so.

Im 17. Jahrhundert konnte ein Pariser, der in Uzès ankam, einen echten Kulturschock erleben. Und wenn es sich um einen 22-jährigen Literaten handelte, dem eine Karriere bevorstand, die seine Familie für unsicher hielt, nahm die Erfahrung eine noch einzigartigere Dimension an.

Im Jahr 1661 war Jean Racine noch nicht der berühmte Dramatiker, den wir heute kennen. Seine Feder wurde immer spitzer, aber seine Verwandten, die den strengen Idealen der jansenistischen Lehrer von Port-Royal tief verbunden waren, machten sich Sorgen. Sie befürchteten, dass er den Verführungen des literarischen und weltlichen Lebens erliegen könnte, und schickten ihn nach Uzès zu seinem Onkel mütterlicherseits, Antoine Sconin, Generalvikar des Bistums, um dort Theologie zu studieren, in der Hoffnung auf einen künftigen kirchlichen Nutzen.

In Uzès kann man auch ein kleines romanisches Bauwerk mit einer Kuppel bewundern. Sie wurde 1687 auf den Überresten eines Turms der alten Stadtmauer errichtet und 1819 nach dem berühmten Schriftsteller benannt, der hier während seines Aufenthalts in der Stadt gerne spazieren ging.

Dieser Aufenthalt, der ihn in einem frommen Leben verankern sollte, war in Wirklichkeit ein Eintauchen in eine Kultur, die ihm zugleich nahe war und sich doch grundlegend unterschied. In einem schwungvollen Brief an seinen Freund Jean de La Fontaine berichtet Racine von seiner Reise von Paris, seiner Ankunft in der Herzogstadt und seinen ersten Eindrücken.

Er berichtet zunächst von der sprachlichen Ab wechslung: Kaum war er von der Rhône heruntergekommen, fühlte er sich "so sehr auf einen Dolmetscher angewiesen wie ein Moskauer in Paris". In seinen Ohren klingt die lokale Sprache wie eine Mischung aus Spanisch und Italienisch, an die er sich mithilfe seiner Sprachkenntnisse anzupassen versucht.

Dann kam die kulinarische Ab wechslung: Hier wird mit Olivenöl statt mit Butter gekocht. Er sagte sogar, dass "es nichts Besseres gibt".

Und dann stellt Racine mit dem Schalk eines jungen Mannes auf Entdeckungsreise auch die fremden Sitten fest: die strahlende Schönheit der einheimischen Frauen, die natürliche Eleganz ihrer Kleidung, wobei er gleichzeitig gesteht, dass ihm empfohlen wurde, sich vor ihnen in Acht zu nehmen.

Uzès erschien ihm dann wie ein fast exotisches Land: auf seinem Felsen thronend, umgeben von Landschaften mit Olivenbäumen, deren Früchte noch bitter sind, in ein Licht und eine Wärme getaucht, die an den Ufern der Seine unbekannt sind.

Aus diesem Brief lässt sich ein doppelter Blick erkennen: der amüsierte und neugierige Blick eines jungen Parisers, der ein anderes Frankreich entdeckt, und der rückblickende Blick, den wir heute auf eine Zeit werfen können, in der die kulturelle Distanz begann, sobald man seine Provinz verließ.

Racine, der nur eine kurze Zeit in Uzès blieb, bevor er seinem literarischen Schicksal folgte, hatte hier eine grundlegende Erfahrung gemacht: die einer Brücke zwischen zwei Welten, zwischen der Île-de-France und dem okzitanischen Land, zwischen der Strenge von Port-Royal und der sonnigen Freiheit des Midi.